::: Chronik

Chronik der Siedlergemeinschaft Flossenbürg Plattenberg e.V.


Ein langer, steiniger Weg musste gegangen werden. Groß war die Wohnungsnot in den ersten Nachkriegsjahren,
als infolge des Flüchtlingsstromes aus den deutschen Ostgebieten die Bevölkerung sprunghaft von 1800 auf über 2500 Einwohner anstieg.

40 Prozent der damaligen Bevölkerung waren Heimatvertriebene, insbesondere aus dem nahen Sudetenland und aus Schlesien,
die hier eine erste Bleibe, Wohnung und Arbeit suchten. Aus dem Chaos des Krieges und der Vertreibung noch einmal mit
dem Leben davongekommen, war man erst einmal für ein Dach über dem Kopf dankbar. So dienten die einstigen Gebäude des
ehemaligen Konzentrationslagers, überwiegend Baracken und sonstige Notunterkünfte etwa 600 Menschen als Zuflucht.
Nach dem Drama der Unfreiheit und des Todes während des Dritten Reiches wiederholte sich im Lager das Drama des
Flüchtlings- und Wohnungselends. Das frühere Lagergefängnis war zum zweitenmal zu einem Gefängnis geworden, in
das man freiwillig einzog, um fürs erste ein Unterkommen zu haben.

Als sich nach der Währungsreform, etwa 1949, erstmals wieder der Bauwille regte, konnten nur wenige Glückliche
einen Bauplatz erhalten. Der Mangel an Bauland führte insbesondere auf die Grundstücksaufkäufe und Enteignungen
für das ehemalige KZ-Lager zurück, denn viele kleinbäuerliche Betriebe verloren während des Krieges ihre Existenz,
weil sie ihren Grund und Boden für ein Butterbrot verkaufen mussten bzw. überhaupt enteignet wurden. Trotz dieses
Engpasses auf dem Grundstücksmarkt konnten in den Jahren bis 1958, dank der sozialen Einstellung der Gemeinde und
einiger Landwirte zumindestens 30 Eigenheime gebaut werden. Aber das war nur ein Tropfen auf den heißen Stein,
angesichts der immer haltloser werdenden Wohnungsnot.

Nur wenigen Lagerbewohnern gelang es, auswärts eine Wohnung zu finden und umzusiedeln. Viele resignierten und
glaubten nicht mehr an eine Erlösung aus ihrem Barackendasein. Ebenso erging es der alteingesessenen Bevölkerung
von Flossenbürg, die ihren ohnehin knappen Wohnraum mit den Flüchtlingen teilte. Jungverheiratete hatten oft
jahrelang keine Möglichkeit, trotz Wohnungsausschuß und Wohnungsamt, eine eigene Wohnung zu finden.

Das Lager Flossenbürg unterstand nicht wie die anderen Flüchtlingslager dem Flüchtlingsamt, sondern dem
Bayer. Staatsministerium der Finanzen. Es gab also vorerst keine Möglichkeit, Flossenbürg in das vom Staatssekretär
für Flüchtlingswesen in München gelenkte Lagerauflösungsprogramm mit einzubeziehen. Da der Ausbau bzw. eine Verbesserung
der Unterkünfte von Seiten der Finananzverwaltung nur sehr zögernd vorgenommen wurde, drängten die Lagerbewohner auf eine
schnelle Lösung dieses Problemes.

Auf Anregung des damaligen Flüchtlings-Obmanns Richard Schober, leitete der 1. Vorsitzende des Landkreissiedlungswerkes,
Landrat Christian Kreuzer, in Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister von Flossenbürg, Wilhelm Högen, eine Flüchtlingsversammlung
in Flossenbürg ein, um die Stimmung, die Meinung und schließlich das Verfahren zur eventuellen Lagerauflösung zu erfahren,
gegebenenfalls Anregungen entgegenzunehmen. Diese Kontaktversammlung fand im Januar 1954 im Gasthaus zur „Steinpfalz“ statt.

Seit Kriegsende kämpfte die Gemeinde mit Unterstützung des Landkreises einen harten Kampf um eine „Wiedergutmachung“, das heißt,
um eine Rückübereignung der ihr und ihren Bürgern vom Machtregime des Dritten Reiches weggenommenen Grundstücke. Erst 1958 war
es endlich soweit, dass die Gemeinde die Restgrundstücke des ausgeschlachteten Lagerkomplexes vom Freistaat Bayern kaufen konnte.
Der Kaufvertrag verbarg so machen Pferdefuß in sich, so unter anderem die Auflage, dass die Gemeinde beschleunigt den Wohnungsbau
und die Lagerauflösung betreiben sollte. Einmütig beschloss der damalige Gemeinderat sogleich dem gemeinnützigen Landkreissiedlungswerk eGmbH
Neustadt/WN beizutreten, das unter Vorsitz von Landrat Christian Kreuzer schon in mehreren Orten des Landkreises erfolgreich Wohnungsbauten
durchgeführt hatte. Der Weg für den Wohnungsbau und für eine Besiedlung des zum Teil schon baureif erschlossenen Lagergeländes war frei,
wenn gleich es noch viele Schwierigkeiten zu überwinden galt, die heute nur noch wenigen bekannt sind.

Das Unmögliche wurde wahr. Noch 1958 entstanden auf den bis dahin mit Barackenresten übersäten und von Unkraut überwucherten Terrassen,
nach einer Planidee des damaligen Kreisbaumeisters Lorenz Meindl, die ersten 18 Kaufeigenheime. Die glücklichen Siedler von heute standen
der Sache erst noch skeptisch gegenüber. Sie konnten es einfach nicht glauben, nach Jahren des Barackendaseins, Eigentümer eines Familienheimes zu werden.

Denkwürdig ist auch der Tag der Gründungsversammlung der Siedlergeimeinschaft Plattenberg, die bald nach Inbesitznahme der Häuser,
am 27.02.1959, im Gasthaus Plattenberg stattfand. Bezirksgeschäftführer Hans Gollwitzer sowie die Pioniere des Siedlergdankens,
Landrat Christian Kreuzer und Bürgermeister Wilhelm Högen, hoben die junge Gemeinschaft aus der Taufe. Die Schwester-Siedlergeimschaft
„Flossenbürg-Säuberg“ unter Vorsitz von Franz Lindner, stand Pate.

Erster Vorsitzender war Josef Schreier; ihm folgten: ab 20.01.61 Josef Blöderl, ab 25.04.64 Otto Hauke, ab 02.04.68 Gustav Wittmann und
seit 1970 Josef Kick. Es war eine sehr schwierige Aufgabe für die Siedlergemeinschaft, die Voraussetzungen zur Finanzierung der geplanten
Baumaßnahme bei der Regierung der Oberpfalz und bei der obersten Baubehörde dem bayerischen Staatsministerium, durchzusetzen.